Maik Novotny

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Architektur

Der Harvard-Kunsthistoriker Joseph Leo Koerner über Wien als Stadt der Träume und des Unheimlichen, über Schweinsköpfe und seine österreichischen Wurzeln

Sein Deutsch ist maßgeschneidert präzise wie der Anzug. Der US-Kunsthistoriker Joseph Leo Koerner sitzt in der Wiener Secession, wo er einen Vortrag über Wiener Interieurs hielt. Koerners Vater, der Maler Henry Koerner, war 1938 aus Wien geflüchtet, die Großeltern kamen im Holocaust ums Leben. Nun erforscht Koerner jun. die Innenräume seiner Vergangenheit.

 

Entwickeln, verändern, verdrängen: Die jetzt eröffnete IBA Hamburg zeigt die Chancen und Gefahren der heutigen Stadtentwicklung

Hamburg, Waterkant: Obwohl von jeher in Bild und schmachtendem Seemannslieder-Ton zu einem Synonym verschmolzen, sind Stadt und Ufer erst in den letzten Jahren langsam zusammengerückt. Mit der brandneuen Hafencity entsteht, wo früher Docks und Speicher waren, eine kantige Waterfront, hochpreisig, schick und urban, gekrönt von der in Zeitlupe ihrer Fertigstellung entgegenwachsenden Elbphilharmonie (momentaner Hoffnungshorizont: das Jahr 2017).

Das Projekt Danube Flats auf der Donauplatte zeigt, wie in Wien Hochhäuser ohne Rücksicht auf Masterpläne aus dem Nichts auftauchen.

An kaum einem Ort lässt sich die die Funktionsweise und das Verständnis von Stadtplanung der letzten Jahre in Wien so deutlich ablesen wie auf der Donauplatte. Kaum mehr als 30 Jahre alt, wird einem hier auf dem dick betonierten Silbertablett eine wahre Archäologie von Ambitionen präsentiert. Ein Sammelsurium von Ansätzen, ein Friedhof für Masterpläne.

Der Turm, der aus dem Nichts kam: An der Reichsbrücke sollen die 150 Meter hohen "Danube Flats" entstehen - direkt vor dem Wohnhochhaus von Harry Seidler. Eine Bürgerinitative wehrt sich nun dagegen.

Ende Oktober bekam Bürgermeister Michael Häupl Post von einer älteren Dame aus Australien, die ihn bat, von einem Vorhaben abzusehen, das "allen rationalen Zielen der Stadtplanung widerspricht". Die Dame war Penelope Seidler, Witwe des 2006 verstorbenen Architekten Harry Seidler.

Verloren im Mahlwerk von Normen und privaten Interessen: Der Umbau des Höchstädtplatzes im 20. Bezirk zeigt, wie in Wien mit öffentlichem Raum umgegangen wird. Warum hat eine so schöne Stadt so durchschnittliche Plätze? Liegt es daran, dass öffentlicher Raum hier vor allem als Arena des Verkehrs und seiner Teilnehmer gesehen wird?

Das einzige Bad in der Salzburger Innenstadt stammt aus den 50er Jahren. Nach jahrzehntelangen Debatten gab es schließlich grünes Licht für Abriss und Neubau. Im Wettbewerb galt es, das umfangreiche Raumprogramm einer Badelandschaft in die Höhe zu stemmen.

Neubauten sind seit jeher eine heikle Gratwanderung in der Stadt Salzburg, die all zu oft verzückt vor dem Spiegel ihrer eigenen Denkmalhaftigkeit erstarrt. Kein Wunder also, dass sich die Diskussion über ein neues Hallenbad gut vier Jahrzehnte hinzog. Da ist einerseits das Paracelsusbad, eine helle, unkomplizierte Schwimmhalle aus den 1950er Jahren mit angeschlossenem Kurhaus,  das als einziges Bad in der Innenstadt idyllisch am Rande des Parks von Schloss Mirabell.liegt. Und da sind andererseits  die Ansprüche der Gäste in Zeiten überbordender Wellnesslandschaften, die es in keinster Weise bedienen kann.

Die neue Bergstation der Wildspitzbahn in Tirol von Baumschlager Hutter Architekten gibt sich als sanfte Gipfelstürmerin jenseits der Hüttengaudi.

Dass der Tourismus in den Tälern Tirols seine Spuren auch in architektonischer Form massiv hinterlassen hat, ist nicht erst seit der Piefke-Saga allgemein bekannt. Neben Hotelburgen ist es vor allem ein visuelles Grundrauschen des permanenten Werbens, Winkens und Wedelns, das auffällt im Weichbild der Siedlungen, die immer mehr zu einem durchwürfelten Ganzen zusammenwachsen und sich gleichzeitig selbstvermarktend immer aufgeregter voneinander abgrenzen müssen, um zu überleben.

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