Maik Novotny

Architektur Stadt Text

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Nebenan tobt Olympia, bei den Nachbarn in Ostlondon gilt: Ruhe bewahren. Eine Tour entlang der Rückseite der Spiele.

"Das hier", sagt Karen und deutet auf die graugrüne Wasserfläche, "war vor fünf Jahren noch eine Müllhalde, voller Autoreifen und Einkaufswägen." Wir sind beeindruckt. Das Wasser ist ein Arm des River Lea, und dort, wo er hundert Meter vor uns ums Eck verschwindet, sieht man die dürren Dreiecke des Olympiastadions aufragen. Die aschblonde Mittvierzigerin Karen ist unser Guide auf der Tour um den Olympic Park in Londons Osten. Der Altersdurchschnitt der Teilnehmer ist eher hoch, also hat Karen zum Start der zweistündigen Tour ihr "Have you made the most of the toilets?" mit Nachdruck wiederholt.

Jahrzehntelang war das malerische Castelfalfi leer und verlassen. Jetzt wurde es vom deutschen TUI-Konzern gekauft und zum Nobel-Resort veredelt - und mutet toskanischer an als die Toskana selbst.

Zwischen römischer Strenge und den sanften Schwüngen des Jugendstils, zwischen kantigem Monumentalismus und erlesenen Stuckaturen: Die deutsch-italienische Rivalität im Bozen des frühen 20.Jahrhunderts wurde auch auf dem Feld der Architektur ausgefochten. Das Resultat ist eine einmalige und zugleich sehr europäische Mischung. Ein Stadtspaziergang von Ornament zu gerader Linie und zurück.

Alleine und hungrig in der fremden Stadt – die Menschheit kennt dieses Problem seit Urs Zeiten. Aber was soll man tun, immer wieder knallt einem das Leben Situationen vor den Latz, in denen Nahrungsaufnahme in unvertrauter urbaner Umgebung die Top-Priority ist.

Die Nobelshopallee Ginza ist am Sonntag für Fussgänger reserviert. Alle schweben wie auf Schienen über den sauberen schwarzen Asphalt. Wo Autos fahren dürfen, ist es genauso leise, denn die Autos schweben auch. An keinem Fahrzeug ein Staubkorn, auch Last- und Lieferwägen glänzen keimfrei. Aus den offenen Türen der Geschäfte dringt hochfrequenziger Begrüssungs-, Bedankungs- und Entschuldigungs-Singsang. Dazu an jeder Ampel melodisches Blindenleitgepinge. Kein Wunder, ist ja auch jeder, aber auch jeder Gehweg mit Blindennoppen und Blindenrillen ausgestattet. Durch diesen singenden und pingenden Teppich gleitet man, gefühlte 30 Zentimeter über dem Boden.

Schwefel und Schatten

Die Sakura, also Kirschblüte, ist hier gerade voll im Zenit, wie man dem Sakurawetterbericht im TV, der täglich die Position der Sakurafront verkündet, sowie der knallharten botanischen Realität entnommen hat. Ganze Kirschbaumschwärme besiedeln den Berghang zwischen dem quirligen Strandbeppu und dem permanent dampfenden Bergbeppu. In zunehmendem Halbtrance torkelt man durch weißgepixelte Psychedelik. Und natürlich durch Dampf.

Gymnastikgreise in Gärten

“Rrrrcchhhh-F’T!”

Vor dem Herumspucken hatte man mich gewarnt, aber Grund zum Augen- und Ohrenzuhalten gibt es nur bedingt, vielleicht hält man sich olympiabedingt zurück. Erstaunt bin ich aber, dass auf innerchinesischen Flügen freudig und frequent in innerchinesische Flugzeuge hineingerotzt wird.

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