Architektur

Architekt Shigeru Ban ist mit Leichtbaukonstruktionen aus Papier weltweit bekannt geworden - Wie er jetzt den Tsunami-Überlebenden hilft

 

Was hat Sie als etablierten Architekten dazu bewogen, ein Netzwerk von freiwilligen Architekten zu gründen und sich der Katastrophenhilfe zu widmen?

Shigeru Ban: Ich war von meinem Berufsbild als Architekt enttäuscht. Wir Architekten arbeiten fast immer für die Privilegierten. Sie haben Geld, Macht oder beides und beauftragen uns, ihnen Denkmäler zu bauen, die diese Macht symbolisieren. Das war schon immer so. Mein Büro tut das genauso - im Moment bauen wir zum Beispiel ein Museum. Aber ich möchte meine Erfahrung auch für die Allgemeinheit nutzen. Das ist unsere Verantwortung! Wenn eine Naturkatastrophe passiert und in kurzer Zeit Notunterkünfte benötigt werden, ist von den Architekten meistens weit und breit niemand zu sehen. Dabei könnten wir hier vieles verbessern, wenn wir helfen. Also sollten wir das tun.

Ein Jahr nach Beben, Tsunami und Fukushima: Der Schutt ist weggeräumt, langsam beginnt der Wiederaufbau - Japans Architekten helfen nach Kräften dabei mit.

Dieser Tage, exakt ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben vom März 2011, veröffentlichte die japanische Regierung ein Papier namens "Road to Recovery", das den Weg zum Wiederaufbau detailliert. Um diesen zu koordinieren, wurde im Februar die Reconstruction Agency ins Leben gerufen. Diese soll dabei auf erneuerbare Energien setzen, denn die Wiederherstellung des durch Fukushima international ramponierten Images ist ein vordringliches Ziel. Doch für die 340.000 Japaner, die ihre Häuser, Dörfer und Angehörigen verloren haben, ist PR im Ausland zweitrangig. Bis feststeht, wo ihre Städte überhaupt wieder entstehen werden, brauchen sie ein Dach über dem Kopf.

Dominique Perrault baut in Wien das höchste Gebäude Österreichs. Ein Gespräch über die Herausforderungen der Donau-City

Für die noch unbebauten Teile der Donauplatte entwarf der französische Architekt Dominique Perrault den Masterplan, bestehend aus einer langen Terrasse zur Neuen Donau und den Zwillingstürmen der DC-Towers. Mit 220 Metern wird der zurzeit noch in Bau befindliche DC Tower 1 bei seiner Fertigstellung Mitte nächsten Jahres das höchste Gebäude Österreichs sein. Er wird den Millennium Tower um 18 Meter überragen. Der Baubeginn des zweiten Turms ist noch ungewiss. Heute, Samstag, wird Dominique Perrault auf dem Turn-On-Architekturfestival im Radiokulturhaus das Projekt vorstellen.

STANDARD: Die Donau-City hat es bis heute nicht geschafft, ein lebendiger urbaner Ort zu werden. Können die DC Towers das ändern?

Perrault: Die Straßenebene der Donau-City ist bis heute sehr unfreundlich und hat keine Verbindung zum Fluss. Dabei ist die Neue Donau und der Blick auf die Stadt hier das wichtigste Element. Als ich vor acht Jahren den Masterplan vorschlug, wollte ich eine besondere Skyline schaffen. Ganz einfach mit einer vertikalen Silhouette durch die Türme und einer horizontalen, einem funktionierenden Übergang zur Neuen Donau. Die Donau-City ist sehr hart, sehr mineralisch. Mit der Terrasse über die ganze Breite bringen wir ein weiches, landschaftliches Element hinein.

Zwischen römischer Strenge und den sanften Schwüngen des Jugendstils, zwischen kantigem Monumentalismus und erlesenen Stuckaturen: Die deutsch-italienische Rivalität im Bozen des frühen 20.Jahrhunderts wurde auch auf dem Feld der Architektur ausgefochten. Das Resultat ist eine einmalige und zugleich sehr europäische Mischung. Ein Stadtspaziergang von Ornament zu gerader Linie und zurück.

Burgen auf steilen Felsen, liebliche Weinberge und Obstplantagen, dramatische Gebirgszacken - die typischen Elemente der Südtiroler Landschaft. Mitten darin: Eine Hauptstadt, die dazugehört und doch völlig anders ist. Eingebettet, fast eingeklemmt in ein Tal, umrahmt von der theaterhaften Kulisse aus den besten und dramatischsten dieser alpinen Bestandteile, spielt Bozen auf dieser Bühne sein ganz eigenes Stück.

Als südlichste deutschsprachige und nördlichste italienischsprachige Stadt wurde sie am Anfang des 20. Jahrhunderts als wichtiger kultureller Außenposten von beiden Seiten besonders intensiv mit Bedeutung aufgeladen. Eine Säule war hier mehr als eine Säule, ein Ornament nicht nur reines Ornament - sie waren stolze Erklärungen von Zugehörigkeit. Weil Österreich Südtirol nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg an Italien abtreten musste, erlebte Bozen binnen einer Generation gleich zwei Phasen des Aufbruchs, in denen die Architektur als Mittel der Eroberung eine Hauptrolle übernahm. So kann man wie in kaum einer anderen europäischen Stadt während eines einzigen gemütlichen Nachmittagsspaziergangs die filigranen Schwünge des Jugendstils, die fliegenden, scharfkantigen Linien der dynamischen Moderne und die schweren, einschüchternden Volumen des Monumentalismus erleben.

Wang Shu ist nicht nur der zweitjüngste Pritzker-Preisträger Geschichte, sondern auch der erste aus China

Das ist wirklich eine riesige Überraschung", sagte der gedrungene, schwarzgekleidete Mann. Wang Shu (48) war nicht der Einzige, der verblüfft auf seine Kür zum Pritzker-Preis-Träger reagierte. "Wang who?" dürfte auch in der Denkblase über vielen Architektenköpfen gestanden sein, als die Jury in Los Angeles bekanntgab, dass die mit 100.000 Dollar dotierte höchste Auszeichnung der Architektur dieses Jahr nach Fernost gehen würde.

Eine Ausstellung in Meran zeigt, wie die jüngsten Bauten aus Südtirol das hohe Niveau der letzten Jahre halten: mit ihrer eigenen Mischung aus alpiner Rauheit und südlicher Eleganz

Der erste Eindruck beim Überqueren des Brenners Richtung Süden: Alles wird milder, sanfter, sonniger, das Meer schon erahnt, man kennt das. Der zweite Eindruck ist widersprüchlicher. Er stellt sich ein, sobald die ersten Ortschaften auftauchen, mit ihrem Weichbild aus steinernen Dorfkernen, unglamourösen Gewerbegebieten und dem tiroltypischen Würfelhusten aus aufgequollenen Hotelburgen als Trägermasse für eine absurde Anzahl nutzloser Balkone. Man sieht: Die spektakuläre Schönheit der Landschaft Südtirols ist fragil und schnell gefährdet.

Gleichzeitig jedoch ist in Südtirol in den letzten 20 Jahren ein Bewusstsein für Baukultur und eine eng vernetzte Architekturszene entstanden, die eine konstant hohe Qualität produziert. Man muss sie nur suchen, denn sie vermeidet das Bombastische und ist eher im Ländlichen als im Städtischen zu finden.

Beispielhaft dafür ist einer der Meilensteine dieser Qualitätsoffensive: Der couragierte Umbau der Burg Tirol von Walter Angonese und Markus Scherer vor zehn Jahren sorgte für internationalen Applaus. 2006 zeigte eine Ausstellung in Meran stolz die Leistungen der Südtiroler Architektur am Anfang des neuen Jahrtausends.

Die Ausstellung "Space House" in Wien zeigt das Schlüsselwerk des bis heute einflussreichen Architekten und Künstlers Friedrich Kiesler

Die Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes im Pariser Grand Palais im Jahre 1925 gilt als Markstein der Kunst- und Architekturgeschichte. Nicht nur als Namensgeber des Begriffes Art déco, nicht nur wegen Konstantin Melnikows sowjetischen Pavillons, sondern auch als der Punkt, an dem sich das Schicksal der modernen Architektur des restlichen 20.Jahrhunderts entschied.

Beginnend mit August 2011 brachte der "Standard" eine wöchentliche Reihe mit dem Namen "Die Jungen bauen", die in kurzen (sogar sehr kurzen) Porträts junge Büros aus Österreich vorstellte. Der Begriff "jung" wurde dabei nie richtig definiert. Nach unausgesprochenem Konsens scheint das Höchstalter in etwa beim Mindestalter römischer Konsuln zu liegen, also 43. Die Auswahl der Büros erhob selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, eine ausgeglichene Berücksichtigung der Bundesländer sowie der weiblichen, männlichen und gemischtgeschlechtlichen Architekten und Architektengruppen wurde angestrebt. Die Serie wurde abwechselnd von Wojciech Czaja und mir verfasst und ist nach 26 Ausgaben diese Woche zu Ende gegangen. Obwohl die Textmenge fast immer zu kurz war, hat das Komprimieren des Wesentlichen, worum es den Architekten geht, sehr viel Spaß gemacht. Hier sind die 13 Porträts zum Nachlesen:

Sechs Monate vor der Eröffnung sind fast alle Olympia-Bauten in London fertig. Statt chinesischen Feuerwerks herrscht britischer Pragmatismus.

Als im August 2008 die Olympischen Spiele in Peking eröffnet wurden, staunte die Welt über das Vogelnest aus Stahl, das die Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron als einprägsame Ikone an den staubigen Rand der chinesischen Hauptstadt gesetzt hatten. Die Gastgeber waren stolz auf den prunkvollen Aufwand: 42.000 Tonnen Stahl für 14 Tage Weltöffentlichkeit. Was danach damit anzufangen war, interessierte vorerst niemanden. Einen Monat später rutschte die Welt in die Finanzkrise und sah verschwendungsfreudige Riesenevents von nun an mit anderen Augen.

Nächste Station: London, wo die Spiele in genau sechs Monaten am 27. Juli eröffnet werden. Die britische Hauptstadt hatte, wie in weiser Krisen-Vorausahnung, bereits 2005 ihre Bewerbung mit dem Aushängeschild der Sparsamkeit versehen. Schließlich war man ein gebranntes Kind, was die Erfahrung mit "White Elephants" angeht, überdimensionierten Prestigebauten, die als finanzielle Altlasten in der Stadt herumstehen. Das PR- und Finanz-Desaster des Millennium Dome war noch in guter Erinnerung.

Die USA entdecken die Innenstädte und öffentlichen Räume wieder. Ganz vorne dabei: New York, wo man heftigst über das Fahrradfahren diskutiert.

Bill Cunningham kann man guten Gewissens als Original bezeichnen. Seit über vier Jahrzehnten knipst der jungenhaft wirkende 82jährige, stets in einen blauen Arbeitskittel gekleidet, als Modefotograf für die New York Times auf Manhattans Straßen Passanten, deren vermeintliche Alltagsmode kurz darauf regelmäßig zum weltweiten Trend wird. Originaler noch: Er bewegt sich durch diese Straßen ausschließlich auf dem Fahrrad, eine Fortbewegungsart, die im Big Apple allenfalls als schrullig, vor allem jedoch als selbstmörderisch galt. Jedenfalls bis vor kurzem. Denn Bill Cunningham ist nicht mehr alleine.

Über 400 Kilometer Radwege hat die energische Verkehrsstadträtin Janette Sadik-Khan seit ihrem Amtsantritt 2007 durch die Stadt legen lassen, und keineswegs nur Freizeitstrecken in den Suburbs: Kreuz und quer durchs chaotische Manhattan wurden grüne Streifen auf den Asphalt gemalt, ein Bike-Sharing-System wird 2012 folgen. Seit 2000 hat sich die Anzahl der Radfahrer mehr als verdoppelt. Die Radoffensive ist Teil des ambitionierten PlaNYC-Programms von Bürgermeister Michael Bloomberg, mit dem unter anderem die CO2-Emissionen New Yorks bis 2013 um 30% gesenkt werden sollen.